Lehren aus der Corona-Pandemie:

Im Zuge der Schulschließungen und der Nutzung digitaler Angebote, welche durch die Corona Pandemie notwendig wurden, bestätigten sich viele Forderungen, welche die LandesschülerInnenvertretungen, teils seit Jahren, forderten. Das Fehlen von Fortbildungen für Lehrkräfte zur Nutzung digitaler Medien zur Unterrichtsgestaltung, erwies sich insbesondere für den Unterricht von zu Hause als problematisch. Mangelnde Erfahrung und fehlendes Wissen der Lehrkräfte verhinderte wiederholt pädagogisch wertvollen Unterricht für SchülerInnen. Darüber
hinaus ist es vielen SchülerInnen, insbesondere sozial Benachteiligten, häufig nicht möglich, mit einem Mehrwert an digitalen Lehrangeboten teilzunehmen, da hierfür notwendige Endgeräte und eine stabile Infrastruktur nicht immer ausreichend vorhanden sind. Außerdem müssen sowohl Fortbildungsangebote für Lehrkräfte als auch für SchülerInnen
bereitgestellt werden, um eine fachgerechte Nutzung von digitalen Geräten sicherzustellen. Außerdem müssen Schüler*Innen, vor allem finanziell benachteiligte, Zugang zu digitalen Endgeräten für schulische Zwecke erhalten. Dies kann beispielsweise über Ausleihgeräte, die von den Schulen zur Verfügung gestellt werden, erfolgen. Des Weiteren muss ein Expertentisch aus IT-Fachkräften und Interessenverbänden von am Schulleben beteiligten Gruppierungen einberufen werden, der das
weitere Vorgehen in Bezug auf Digitalisierung beraten soll. Er soll theoretische Ziele und deren praktische Umsetzung erarbeiten, sodass alle Schulen den gleichen Zustand erhalten können. Weiterhin müssen strukturelle Probleme an einzelnen Schulen durch Investitionen in digitale
Infrastruktur beseitigt werden. Zudem führte der langjährige Mangel an Investitionen in Bildungseinrichtungen zu Problemen bei der Einhaltung und Umsetzung der Hygienekonzepte an einigen Schulen. Desolate Zustände von Schulgebäuden, insbesondere Sanitäranlagen, erwiesen sich während einer Pandemie als besonders fahrlässig. Auch hier sind dringend zeitnahe Investitionen erforderlich, um eine weitere Verschlechterung des Zustands zu verhindern.

Stärkung der Rechte von SchülerInnen

Die Mitbestimmung von SchülerInnen ist fundamental wichtig, um Kindern und Jugendlichen frühe positive Assoziationen mit demokratischen Strukturen, eigeninitiativer Beteiligung und Engagement zu ermöglichen. Frühkindliche Erfahrungen mit demokratischen Beteiligungsprozessen sind aus unserer Sicht essentiell für die Entwicklung eines Demokrativeverständnisses, das eine aktive Partizipation in unserer Gesellschaft erlaubt. Die Anerkennung und Wertschätzung des Engagements vieler SchülerInnen muss durch Vermerke auf Zeugnissen oder anderen Schriftstücken erfolgen, damit SchülerInnen auch Nachweise für ihr zeitintensives ehrenamtliches Engagement erhalten. Außerdem müssen SchülerInnen zunächst ausführlich und regelmäßig über ihre bereits vorhandenen Rechte aufgeklärt werden. Mitbestimmung verlangt Wissen! Ohne Kenntnisse über demokratische Prozesse ist eine Beteiligung an diesen unmöglich. Darüber hinaus muss SchülerInnen eine Form der Mitbestimmung ermöglicht werden, welche eine aktive Partizipation an
der Schule ermöglicht. Eine lediglich auf dem Papier wirksame Mitbestimmung schadet unserer Demokratie. SchülerInnen müssen ihre politische Selbstwirksamkeit praktisch erfahren. Die Vertretungen der SchülerInnen auf Landesebene müssen mit ausreichenden Räumen, Büromitteln und finanziellen Ressourcen ausgestattet werden, um ihnen eine starke Repräsentation der Schülerschaft zu ermöglichen. Des Weiteren müssen Schüler*Innen auch in die Vergabe staatlicher Gelder eingebunden werden, damit die Projekte stärkere Beachtung finden, die gerade für die
relevante Zielgruppe der Jugendlichen ansprechend gestaltet sind. Darüber hinaus müssen Jugendreprsäentationsgremien mit einem allgemeinpolitischen Mandat und einer Möglichkeit Initiativen in ihre Landesparlamente einzubringen ausgestattet werden.

Alternative zum Religionsunterricht

Fundamentaler Bestandteil der grundgesetzlich garantierten Religionsfreiheit ist auch das Recht sich keiner Religionsgemeinschaft und keinem Glauben zugehörig zu fühlen. Dieses grundlegende Recht besteht für hunderttausende SchülerInnen nicht, weil sie keine Alternative zum konfessionell gebundenen Religionsunterricht haben. Statt Ethikunterricht bleibt oftmals nur Mandalamalen oder das Abholen der Kinder für eine Unterrichtsstunde. Allen SchülerInnen muss eine Alternative zum
konfessionell gebunden Religionsunterricht bereitgestellt werden!

Anerkennung des Lehrerberufs

Besonders in den vergangen Wochen und Monaten haben sich tausende Lehrkräfte in der gesamten Bundesrepublik noch stärker als zuvor für Ihre SchülerInnen eingesetzt. Während des reduzierten Präsenzunterrichtes, haben sich kleinere Klassen und Kurse als deutlich effektiver herausgestellt. Diese Situation könnte durch Beseitigung des Lehrkräftemangels, der sich aufgrund der Altersstruktur der Lehrerschaft in den kommenden Jahren deutlich verschlechtern wird, ständig herrschen. Hierfür muss der Lehrberuf attraktiver gestaltet werden. Zurzeit nutzen viele Lehrkräfte etliche Stunden ihrer Freizeit, um zeitnah qualitativ hochwertige Lehrangebote bereitzustellen, sich mit digitalen Unterrichtsmethoden auseinanderzusetzen und bestmögliche Betreuung für alle SchülerInnen zu gewährleisten, und stehen deshalb unter starkem Druck. In dieser turbulenten Zeit gilt auch den Lehrkräften für diesen Einsatz ein besonderer Dank. Rein verbale Wertschätzung des Lehrerberufs
reicht allerdings nicht aus, um langfristig beste Bildung zu ermöglichen. Neben Gehaltserhöhungen für Lehrkräfte müssen auch Entlastungen erfolgen. Die Belastungsgrenze vieler Lehrkräfte wird regelmäßig überschritten. Dies ist nicht nur ihnen gegenüber ungerecht, sondern mindert auch die Qualität der Bildung für Schüler*Innen. Guter Unterricht benötigt Zeit zur Vorbereitung, die oftmals nicht vorhanden ist.

Investitionen in Lesekompetenz

Das Lesen rückt für viele SchülerInnen und Jugendliche immer stärker in den Hintergrund. Hierdurch sinkt die Lesekompetenz der nachkommenden Generationen stetig. Um dem Entgegenzukommen, benötigt es Investitionen in öffentlich zugängliche Bibliotheken, insbesondere für SchülerInnen,
damit finanziell attraktive Lesemöglichkeiten geschaffen werden können.

Digitale und Mediale Bildung

Eine sich wandelnde Gesellschaft erfordert auch ein sich wandelndes Bildungssystem. Unterrichtsinhalte müssen immer wieder den veränderten Rahmenbedingungen der Gesellschaft angepasst werden, um eine bestmögliche Vorbereitung auf die Lebensrealität zu garantieren. In
unserer heutigen Gesellschaft sind Soziale Medien und digitale Endgeräte eine Selbstverständlichkeit. Ebenso selbstverständlich müssen die Schüler*Innen über die Gefahren und Chancen einer digitalisierten Gesellschaft aufgeklärt werden. Hierfür müssen Lehrpläne überarbeitet, Projekte initiiert und Lehrkräfte weitergebildet werden.

Politische Aufklärung

Partizipation erfordert Wissen. Um ein erfolgreiches Teilnehmen an den demokratischen Strukturen der Bundesrepublik für alle Bürger*Innen zu ermöglichen, muss früh weitreichendes Wissen über das politische System der BRD und der Bundesländer vermittelt werden. Hierfür benötigt es einen Ausbau des Politikunterrichts an weiterführenden Schulen und mehr Ressourcen für Projekte und Veranstaltungen zur politischen Bildung.

Schulbildung soll auf das spätere, eigenständige Leben vorbereiten. Hierfür sind nicht nur weitreichende, theoretische Kenntnisse über verschiedenste Themenbereiche, sondern auch praktische, teils simple, Fähigkeiten notwendig. Es benötigt ein neues, praktisch orientiertes

Praxisorientierte Bildung

Unterrichtsfach, das die SchülerInnen in die Lage versetzen einen eigenen Haushalt zu führen, grundlegende finanzielle Prozesse zu verstehen und sich eigenständig Wissen anzueignen. Damit SchülerInnen sich besser autodidaktisch mit Lehrplaninhalten auseinandersetzen können, ist es
notwendig schülergerechte Lehrpläne zu veröffentlichen, deren struktureller und sprachlicher Aufbau für die betroffenen Schüler*Innen verständlich und nachvollziehbar ist.

Schulöffnungen

Grundsätzlich begrüßen wir die weitere Schulöffnung. Jedoch muss bei der Beurteilung von Schulöffnungen an erster Stelle die Gesundheit der Schüler*Innen und Lehrkräfte stehen. Sofern die Hygienekonzepte und die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts eigenhalten werden, können Schulöffnungen erfolgen. Zusätzlich brauchen wie auch ausgereifte Alternativ- und Notfallkonzepte.

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